Wer einmal in diesen Schmelztiegel der Klassiker eingetaucht ist, der möchte sich am liebsten gleich ein eigenes Boot kaufen. Aber auch wir im Verein wissen, dass ein Holzboot nicht nur magisch die Blicke auf sich zieht, sondern auch ein ganzes Stück Arbeit bedeutet – die alten Ladys wollen gehegt und gepflegt werden.
Genau diese Leidenschaft und Faszination sorgen Jahr für Jahr dafür, dass auch wir zu dieser Wallfahrt nach Laboe aufbrechen und gut 12 bis 16 Stunden Überfahrt in Kauf nehmen – zu Deutschlands größtem Klassikertreffen, wo klassische Linien gegeneinander antreten.
Donnerstag Morgen gg. 07:00 Uhr Morgens ging es mit frischen Brötchen und spontaner Crew Verstärkung in Richtung Laboe. Mit wenig Wind sind wir vorerst unter Motor aus der Wismarerbucht herausgefahren und haben uns entspannt ein Frühstück gegönnt bei traumhaften Sonnenschein.
Gegen 08:30 Uhr haben wir dann die Segel gesetzt und sind trotz der Vorhersage bei wenig Wind unter Motorunterstützung mit 6 kn Fahrt in Richtung Fehmarn weitergefahren. Als wir nach dem Mittag unter der Fehmarnsundbrücke durch waren, stand der Wind günstig und wir konnten endlich segeln. Der Spi war schneller gesetzt als gedacht und brachte uns mit 6,5 kn weiter in Richtung Laboe. So haben wir gegen 19:30 Uhr im Hafen festgemacht, wo schon der eine oder andere Segler lag.

Unsere Crewunterstützung gingen dann leider von Bord, um pünktlich den Zug in Richtung Wismar zu bekommen. Der Rest der Crew machte sich noch einen entspannten ersten Abend.
Am zweiten Tag sind wir schon recht früh aus den Kojen gefallen und saßen gegen 07:30 Uhr beim Frühstück, dem dann gegen 09:00 Uhr auch gleich die Steuermannsbesprechung folgte. Zum Glück haben wir für den Freitag noch Unterstützung von Johann und Lena bekommen, da es sonst mit nur 3 Personen an Bord nicht möglich gewesen wäre, die Regatta zu segeln.
Und kaum war unsere Verstärkung eingetroffen, mussten wir auch schon prompt ablegen, da nicht mehr viel Zeit bis zum Start blieb, der gegen 12:00 Uhr angesetzt war. Mit viel Motivation ging es dann zweimal auf einen Dreieckskurs mit jeweils 3 Runden. Nachdem der Startschuss gefallen war, haben wir gleich gemerkt, dass der Kurs mit 5 Leuten bei diesen Bedingungen recht anspruchsvoll zu segeln ist. Der Spi ging auf dem einen Schenkel hoch und auf dem nächsten schon wieder runter. Dazwischen war gerade genug Zeit, den Spi zu packen und wieder anzubauen, ehe es auf der nächsten Runde wieder hochging. Unsere Vorschiffcrew hat dabei die Anzahl der Runden erst mitbekommen, als wir durch die Ziellinie waren.
Nach zwei Regattafahrten unter vollem seglerischen Einsatz haben wir uns dann vor den Strand in Laboe gelegt und sind erst einmal entspannt baden gegangen, ehe wir gegen 16:30 Uhr im Hafen festgemacht und noch einen direkten Platz an der Kaikante ergattern konnten. Denn ehe wir uns versahen, waren wir ringsum von anderen klassischen Booten zugeparkt.
Am späten Abend haben wir bei der Siegerehrung erfahren, dass wir in der Klasse der Neo-Klassiker den 3. Platz von 5 Booten belegt haben. Leider waren die Anaiis (Platz 2) und die Oromocto (Platz 1) noch deutlich besser. Als Crew-Verstärkung gesellten sich dann noch Jule und Roland dazu, womit wir für Samstag deutlich besser aufgestellt waren.
Um 06:30 Uhr klingelte der erste Wecker und holte den einen oder anderen aus der Koje, ehe es gegen 08:00 Uhr versammelt zum Frühstück ging. Die Caterer vor Ort hatten auch wieder für ein reichliches Büfett mit all den guten Sachen gesorgt.
Gut gestärkt ging es nach der Steuermannsbesprechung und der Absprache, wer welche Position fährt, gegen 10:30 Uhr auf die Bucht. Technisch gut gerüstet, sind wir in diesem Jahr bei viel Wind in die Bucht gefahren. Als konsequente Entscheidung haben wir das Vorsegel (G1 mit 150 %) gegen das mittlere (G2 mit 120 %) gewechselt, ehe wir 20 min vorher wieder auf die G1 zurückgewechselt haben, da der Wind nun doch wieder eingeschlafen war. Sprich: ein Hin und Her mit den großen Tüchern auf dem Vorschiff.
Als dann 5 min vor dem Start der erste Schuss vom Startschiff kam, versammelte sich die Armada der ersten 3 Gruppen – der großen Klassen, der Neo-Klassiker und der 7KR bis 5KR – in Lee des Startschiffes, um beim finalen Schuss über die Startlinie zu gehen. Leider hatten wir eine etwas benachteiligte Position, sodass wir das Spektakel zwar aus nächster Nähe sehen konnten, es uns allerdings ein bis zwei Minuten gekostet hat. Dafür haben wir auf dem Anwindkurs aber noch ordentlich aufgeschlossen, etwa zur Heti, die uns 2 Schläge später in Lee einfach überholt hat. Was ihr allerdings wenig genützt hat, da wir kurz darauf wieder eine halbe Bootslänge vorne lagen. Leider sind wir nicht in ihrer Gruppe gefahren, weil die Regattaleitung uns in diesem Jahr in die Neo-Klassiker mit deutlich stärkerer Konkurrenz gesteckt hat.
Auf dem Downwindkurs konnten wir noch einmal deutlich Strecke machen und den Abstand in unserem Bereich merklich vergrößern. Allerdings hatte uns die Heti später wieder eingeholt, was auf der Zielgeraden zu einem sehr engen Kopf-an-Kopf-Rennen führte. Leider mussten wir mit Abstand zur Heti noch eine komplette Doppelwende fahren, um den Zieleinlauf nicht zu verpassen. Genau dieses Manöver hat uns im Ziel eine Nasenlänge von 2 Sekunden gekostet. Spaß und Ehrgeiz hatten aber definitiv beide Crews an diesem Tag.
Bei der Siegerehrung sind wir leider wieder leer ausgegangen, da nur Platz 1 und Platz 2 eine hübsche Trophäe bekommen haben. Am späten Abend gab es dann noch die Bildershow der letzten zwei Regattatage …